EOS Studie 2021 "Covid-19 Finanzreport"

Covid-19 Finanzreport: Wie kamen die Konsument*innen durch die Krise?

Jede*r Zehnte ist durch Pandemie überschuldet.

Die Corona-Pandemie hat in kürzester Zeit unser Leben auf den Kopf gestellt. Gerade aus finanzieller Sicht zwang die Pandemie viele Menschen, geplante Ausgaben zu überdenken oder Schulden aufzunehmen, um ihren Alltag zu bestreiten. Der Covid-19 Finanzreport im Auftrag der EOS Gruppe zeigt, dass es hierzulande Betroffene gibt, die im vergangenen Jahr in die Überschuldung gerutscht sind.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Als Folge der Corona-Krise verschlechtert sich die finanzielle Situation der deutschen Verbraucher*innen. 

  • Jede*r Zehnte sah sich gezwungen, in Folge der Corona-Pandemie Schulden aufzunehmen. Zwölf Prozent der Deutschen sind seit Beginn der Krise in die Überschuldung gerutscht.

  • Besonders schwer hat die Krise Alleinerziehende getroffen. Auch viele jüngere Deutsche gaben an, sich verschuldet zu haben.

Jede*r Zehnte nahm Schulden auf und kann sie nicht zurückzahlen.

Obwohl es sich bei der Pandemie um eine globale Krise handelt, ist jede Nation und Bevölkerungsgruppe unterschiedlich hart betroffen. Im Rahmen des Covid-19 Finanzreports, den der Spezialist für Online-Befragungen Dynata im Auftrag von EOS durchgeführt hat, gaben 2.000 deutsche Konsument*innen Auskunft darüber, wie die Corona-Pandemie ihr Konsumverhalten und ihre Schuldensituation beeinflusst hat.

  • Covid-19 Finanzreport: Konsument*innen mussten im Zuge der Corona-Krise Schulden aufnehmen.

    Corona-Krise treibt Deutsche in die Schulden.

    Etwa jede*r zehnte deutsche Konsument*in (12 Prozent) hat in Folge der Corona-Krise Schulden gemacht. Die Höhe der Schulden betrug bei der Mehrheit (57 Prozent) bis zu 2.500 Euro.

  • Covid-19 Finanzreport: Konsument*innen liehen sich Geld, um Lebenshaltungs- und Wohnkosten zu decken.

    Ein Großteil nahm Schulden auf, um lebensnotwendige Kosten zu decken.

    Mit 39 beziehungsweise 29 Prozent nutzten die meisten von ihnen das geliehene Geld, um ihre laufenden Lebenshaltungs- sowie Wohnkosten zu decken. Jede*r Fünfte wendete es für gesundheitsbezogene Ausgaben auf. 

Covid-19 Finanzreport: Andreas Kropp, Geschäftsführer der EOS Gruppe
  • Andreas Kropp, Geschäftsführer der EOS Gruppe

    „Wenn Menschen gezwungen sind, für lebensnotwendige Dinge vorrübergehend Schulden zu machen, ist das mehr als verständlich. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation und derzeit kann niemand verlässlich voraussagen, wie sich die Lage entwickelt.“

Alleinerziehende und Jüngere leiden finanziell besonders unter der Krise.

Mehr als jede*r Vierte der Alleinerziehenden (26 Prozent) nahm Schulden auf, um die Krisenzeit finanziell überstehen zu können. Aus demografischer Sicht sind es zudem die jüngeren Generationen, die sich im Zuge der Krise Geld geliehen haben. Knapp jede*r Fünfte (je 18 Prozent) der 18- bis 29- beziehungsweise 30- bis 39-Jährigen gab an, sich verschuldet zu haben. Zum Vergleich: Die Altersgruppe zwischen 50 und 65 Jahren ist gerade einmal mit sechs Prozent vertreten. 

Nicht verwunderlich erscheint es da, dass es die jüngeren (18 bis 29 Jahre) und alleinerziehenden Befragten sind, die am pessimistischsten in die Zukunft blicken: 31 beziehungsweise 39 Prozent gehen davon aus, dass sie in den kommenden Monaten neue Schulden machen müssen. Damit liegen sie weit über dem deutschen Durchschnitt von 19 Prozent.

Covid-19 Finanzreport: Konsument*innen haben sich im Zuge der Corona-Krise Schulden überschuldet.

Seit Beginn der Corona-Pandemie: Zwölf Prozent der Befragten in Überschuldung.

„Wenn Menschen gezwungen sind, für lebensnotwendige Dinge vorrübergehend Schulden zu machen, ist das mehr als verständlich. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation und derzeit kann niemand verlässlich voraussagen, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Andreas Kropp, Geschäftsführer der EOS Gruppe und zuständig für den deutschen Markt. Bei zwölf Prozent der Befragten hat das dazu geführt, dass sie seit Beginn der Pandemie in die Überschuldung gerutscht sind. Sie können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Auch hier sind alleinerziehende Elternteile am stärksten betroffen: Knapp jede*r Vierte (23 Prozent) von ihnen kann im Zuge der Krise seine Schulden nicht zurückbezahlen. Was die Zukunft anbetrifft, befürchten 19 Prozent der deutschen Verbraucher*innen, dass sie in den nächsten Monaten Schulden machen müssen.

Wirft man einen Blick in den internationalen Vergleich des Reports, wird schnell klar, dass die Konsument*innen anderer Länder – was die Verschuldung angeht – noch stärker betroffen sind. Sind es in Spanien 15 Prozent, in Kroatien 19 Prozent, in Rumänien 28 Prozent, geben in Bulgarien sogar 32 Prozent an, Schulden durch die Pandemie gemacht zu haben.

Was ist Über­schuldung?

Von Überschuldung spricht man, wenn die Schulden einer Person oder eines Unternehmens das eigene Vermögen übersteigen. Bei Privatpersonen geht dem in der Regel ein unerwartetes Ereignis voraus, zum Beispiel der plötzliche Verlust des Jobs oder eine schwere Krankheit. Oft ist es aber auch der fehlerhafte Umgang mit Geld, der zur Überschuldung führt.

Konsumverhalten: Verzicht auf Urlaub, Einrichtung – und Gesundheit?

Ab in den Urlaub – aber erst nach der Krise.

Obwohl ein Großteil der Deutschen nicht davon ausgeht, in naher Zukunft Schulden aufnehmen zu müssen, gaben die meisten Befragten (65 Prozent) an, aufgrund der Pandemie auf einen Urlaub verzichtet zu haben. Weit abgeschlagen folgten der Verzicht auf Ausgaben für Einrichtungsgegenstände wie Möbel (21 Prozent), Renovierungsarbeiten (19 Prozent) und Unterhaltungselektronik (17 Prozent). Sogar Ausgaben für Gesundheit (12 Prozent) und Bildung (12 Prozent) mussten gestrichen werden – für Andreas Kropp ein Alarmsignal: „Wenn finanzielle Mittel knapp werden, ist es sinnvoll, nicht zwingend notwendige Ausgaben zu streichen. Leidet darunter die Gesundheit, ist das jedoch besorgniserregend.“ Immerhin gab jede*r Fünfte der Befragten an, auf nichts verzichtet zu haben. Mit Blick auf ein etwaiges Ende der Krise waren sich ein Großteil der Befragten einig: 60 Prozent von ihnen planen als erste Ausgabe einen Urlaub – wer kann es ihnen verübeln?

Covid-19 Finanzreport: Der Studienaufbau

  • Befragte: 7.000 Personen aus fünf europäischen Ländern

  • Länder: Deutschland, Spanien, Rumänien, Bulgarien und Kroatien

  • Dienstleister: Dynata, Spezialist für Online-Befragungen

Ziel des Covid-19 Finanzreports ist es, sichtbar zu machen, wie Konsument*innen in verschiedenen Ländern die Corona-Pandemie bislang erlebt haben. Der Fokus liegt dabei auf ihrer finanziellen Situation und wie sie sich im Zuge der Krise verändert hat. Welche Auswirkungen hatte sie auf das Konsumverhalten der Menschen? In welchem Umfang und wofür mussten die Konsument*innen Schulden aufnehmen – und konnten sie diese zurückzahlen? Um dies herauszufinden, hat der Spezialist für Online-Befragungen, Dynata, im Auftrag von EOS 7.000 Personen aus fünf europäischen Ländern befragt. Neben Deutschland haben Spanien, Rumänien, Bulgarien und Kroatien teilgenommen. An den Ergebnissen lässt sich ableiten, welche Bevölkerungsgruppe wie stark von der Krise betroffen ist – und mit welchen persönlichen Zahlungsschwierigkeiten die Konsument*innen in Zukunft rechnen.

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